01.10.2026
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Im Jahr 2003 befand sich Lancia in einer schwierigen Lage. Zwar hatte die Marke zwei Jahre zuvor ihre Flaggschiff-Limousine Thesis auf den Markt gebracht, doch deren radikales Design und der Versuch, in ein höheres Premium-Segment vorzudringen, fanden bei den Käufern keinen Anklang.

Der Ypsilon verkaufte sich kaum außerhalb Italiens, der Lybra alterte rasch und verkaufte sich schlecht, und der Phedra war im Grunde nur ein umgebadgter Fiat Ulysse. Es sah so aus, als steuerte die Marke auf ihr Ende zu. Doch auf dem Genfer Autosalon 2003 erschien ein Hoffnungsschimmer – ein kleiner Concept-Car namens Lancia Fulvia.

Für jeden Fan europäischer Automobile ist dieser Name bestens bekannt. Für alle anderen: Die Fulvia war eine echte Legende. 1963 brachte Lancia die praktische Fulvia-Limousine auf den Markt, zwei Jahre später folgte ein Coupé, das die Öffentlichkeit vollkommen in seinen Bann zog.

Das Modell besaß einen ungewöhnlichen V4-Motor mit schmalem Zylinderwinkel und eine unglaublich schöne Karosserie, die von Piero Castagnero gestaltet wurde. Der Radstand war gegenüber der Limousine um fast 15 Zentimeter verkürzt, und das Auto selbst zählte zu den elegantesten Coupés seiner Zeit.

Doch die Fulvia wurde nicht nur wegen ihres Designs berühmt. Sie war im Rallyesport überaus erfolgreich. Das Modell gewann zwischen 1965 und 1973 achtmal die Italienische Rallye-Meisterschaft, sicherte sich 1972 die Internationale Herstellermeisterschaft und holte 1969 sowie 1973 den Europameistertitel. Darüber hinaus legte die Fulvia den Grundstein für spätere Lancia-Legenden wie Stratos, 037, Delta S4 und Delta Integrale.

Im Jahr 2003 war der Retro-Design-Trend in vollem Gange. Volkswagen verkaufte bereits den New Beetle, BMW hatte den Mini wiederbelebt und Jaguar den S-Type auf den Markt gebracht. Lancia wollte die Reaktion des Publikums auf eine moderne Interpretation der Fulvia testen – mit beeindruckendem Ergebnis.

Die Designer Flavio Manzoni und Alberto Dilillo gelang es, den Look des klassischen Fulvia Coupés auf moderne Technik zu übertragen, ohne den Charme des Originals zu verlieren. Saubere Flanken, wunderschöne Heckleuchten und perfekte Proportionen machten den Concept-Car unglaublich charismatisch.

Auch das Interieur war herausragend. Dunkelbraunes Leder, Holz mit gestreifter Maserung und metallene Bedienelemente wirkten so edel, dass selbst das Interieur des Audi TT dagegen fast gewöhnlich aussah – und Audi galt damals als einer der führenden Hersteller bei der Innenraumqualität.

Das Bemerkenswerteste war jedoch, dass der Concept-Car voll funktionsfähig war. Unter der Haube saß ein 1,8-Liter-Vierzylinder, der den Sprint auf 100 km/h in 8,6 Sekunden schaffte. Dabei half ein sehr niedriges Leergewicht von nur 990 Kilogramm. Lancia ließ sogar Journalisten den Fulvia Concept fahren – etwas, das bei Concept-Cars extrem selten vorkommt.

Einen kurzen Moment lang sah es so aus, als hätte das Projekt echte Chancen auf eine Serienproduktion. Das Evo-Magazin schrieb damals, man könne zwar nicht völlig sicher sein, dass Lancia das Richtige tun werde, die Zeichen stünden jedoch gut. Die öffentliche Resonanz sei enorm positiv gewesen, und nach der jüngsten Umstrukturierung innerhalb des Fiat-Konzerns könne die Marke endlich wieder als sportliche Größe auftreten statt nur zweite Geige hinter Alfa Romeo zu spielen.

Leider erfüllten sich diese Hoffnungen nie. Kurz nach der Präsentation wurde das Projekt gestoppt. Der Fiat-Konzern steckte in einer schweren Finanzkrise und verlor jährlich mehr als eine Milliarde Euro. Zudem lief die Produktion des Fiat Barchetta – der Plattform, auf der der Fulvia basieren sollte – aus. Unter diesen Voraussetzungen wurde die Einführung eines sportlichen Coupés für Lancia als zu riskant eingestuft.

Der Lancia Fulvia Concept war einfach zu gut für seine Zeit und wurde zum Opfer unglücklicher Umstände. Ein solches Auto würde heute aufgrund veränderter Kundenwünsche und immer strengerer Elektrifizierungsvorgaben wohl nie mehr das Licht der Welt erblicken.

Deshalb bleibt die Fulvia auf ewig eines jener wunderschönen Automobile, die es nie in die Serie schafften, aber weiterhin in den Herzen der Automobil-Enthusiasten leben.

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